Laktoseintoleranz und die Psyche

Die Frage, ob eine Laktoseintoleranz psychisch bedingt sein kann, kann man mit einem klaren Nein beantworten. LI beruht immer auf ererbten Merkmalen oder einer Erkrankung, wie wir unter Ursachen von Laktoseintoleranz beschreiben. Psychische Faktoren können viele Funktionen des Verdauungssystems beeinflussen, doch die Produktion von Laktase, dem Enzym, das zur Spaltung von Milchzucker nötig ist, gehört nicht dazu.

Eine Laktoseintoleranz kann aber Auswirkungen auf die Psyche der Betroffenen haben. Diese Effekte können erheblichen Leidensdruck oder sogar Folgeerkrankungen hervorrufen. Fast immer ist mangelnde Aufklärung über die Ursachen und das richtige Verhalten bei LI dafür verantwortlich – um so wichtiger ist es, sich gut und umfassend zu informieren und seine Ernährungsgewohnheiten umzustellen.

 

Laktoseintoleranz und Vermeidungsverhalten

Die Beschwerden allein sind für die Betroffenen schon schlimm genug – doch die Erfahrung, dass plötzlich viele Nahrungsmittel gemieden werden müssen, kann traumatisch sein. Von einem Tag auf den anderen sieht man die Auslagen in den Regalen der Lebensmittelhändler mit anderen Augen, und irgendwie wirkt jedes Lebensmittel verdächtig. Das Vertrauen in die eigene Ernährung geht verloren, und ein so elementarer Vorgang wie das Essen wird zur Gefahrenquelle.

Viele Menschen reagieren auf die Diagnose "Laktoseintoleranz" mit einer Verunsicherung, die dazu führt, dass alle Lebensmittel strikt gemieden werden, die Laktose enthalten könnten, vorzugsweise Milchprodukte. Meist können aber durchaus auch mit LI viele Milchprodukte und Fertigerzeugnisse genossen werden, ohne dass es zu Beschwerden kommt. Doch wer nicht weiß, welche Produkte das sind, bleibt verunsichert.

Bei einer strikten Vermeidung von Milcherzeugnissen kann es zu einem Kalziummangel kommen. Kalzium ist nicht nur für den Knochenaufbau, sondern auch für den Muskel- und Nervenstoffwechsel und für Blutgerinnung und Zellteilung wichtig. Nur wer hier gut informiert ist, kann angemessen mit Milchprodukten umgehen oder andere Kalziumquellen für sich nutzen! Unsere Liste laktosefreier und laktosearmer Nahrungsmittel erleichtert die Wahl.

 

Laktoseintoleranz als psychosoziales Problem

Leider ist es mit dem Verständnis der Mitmenschen oft nicht weit her, wenn es um Laktoseintoleranz geht. Laktoseintolerante Menschen erleben immer wieder, wie ihre Umwelt kopfschüttelnd oder ablehnend darauf reagiert, wenn man bestimmte Speisen oder Getränke zurückweist – so, als wolle man sich mit einer eingebildeten Krankheit interessant machen oder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken.

Auch die Laienmeinung, die LI sei "psychisch bedingt" oder eine Folge von Stress, kann als offener oder versteckter Vorwurf empfunden werden.

Hinzu kommt, dass die für Laktoseintoleranz typischen Beschwerden – Durchfall und Blähungen – Schamgefühle auslösen, die einen offenen Umgang mit der Laktoseintoleranz erschweren. So fühlen sich die Betroffenen häufig von ihrer Umwelt isoliert oder verschweigen die Ursachen ihrer Beschwerden. Dies kann dazu führen, dass sie an gemeinsamen Unternehmungen nicht mehr teilnehmen oder ihr Freizeitverhalten einschränken, was das Gefühl der Isolation erschwert.

Ein Rückzug in die Isolation ist jedoch nicht nötig, wenn man sich angemessen ernährt und die Beschwerden dadurch zum Verschwinden bringt. Wer zum Grillabend laktosefreie Würstchen mitbringt, stößt damit sicher nicht auf Unverständnis – und auch lange Theater- oder Konzertbesuche, Betriebsfeste oder Familienfeiern sind kein Problem, wenn die Verdauung durch richtige Ernährung wieder in die Spur gebracht wird.

Es erleichtert einen offenen Umgang mit Laktoseintoleranz, verständnislose Zeitgenossen darüber aufzuklären, dass die LI eine genetisch bedingte Eigenart ist und keine Behinderung, Krankheit oder hypochondrisches Getue.

 

Laktoseintoleranz und Depression

Eine ausgeprägte LI wird von den Betroffenen oft als Belastung und Einschränkung empfunden. In Foren berichten viele Betroffene über depressive Verstimmungen oder handfeste Depressionen, die durch das Gefühl, nicht mehr in vollem Umfang am Leben teilnehmen zu können, begünstigt werden.

Studien über einen Zusammenhang zwischen Laktoseintoleranz und Depression sind uns nicht bekannt, doch bei der LI gilt, was bei allen körperlichen Beeinträchtigungen gilt: Sie können sich negativ auf das Selbstwertgefühl und die Lebensfreude auswirken und depressiven Stimmungen Vorschub leisten. Das ist vor allem dann der Fall, wenn die Beschwerden hartnäckig andauern – doch in den meisten Fällen lassen sie sich durch eine laktosearme Ernährung in den Griff bekommen.

 

Buchtipps zum Thema Laktose-Intoleranz

Köstlich essen ohne Milch & Ei: Über 150 Rezepte bei Allergien und Laktose-Intoleranz

TRIAS-Verlag, 144 Seiten, ISBN 978-3830438991
Richtig einkaufen bei Laktose-Intoleranz: Für Sie bewertet: Über 900 Lebensmittel und Fertigprodukte

TRIAS-Verlag, 128 Seiten, ISBN: 978-3830463115
Laktose-Intoleranz: Wenn Milchzucker krank macht

TRIAS-Verlag, 145 Seiten, ISBN: 978-3830436843

 

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